Osterreiten in Wittichenau 2010

von Sigi aus der Kategorie Sonstige Texte
und wurde am 15.04.2010 um 09:33:00 eingetragen.

(Leider werden keine Fotos mit übermittelt.)

Es ist immer wieder ein faszinierendes Erlebnis, dem alten sorbischen Brauch, in der katholischen Oberlausitz, beizuwohnen und zu schauen, wie herrlich herausgeputzt Ross und Reiter daherkommen.





Dabei ist das Osterreiten das Synonym für 's Kreuzreiten! Am Ostersonntag reiten die katholischen Männer einer Kirchengemeinde in Frack (Gehrock) und Zylinder auf festlich geschmückten Pferden in die Nachbargemeinde, um dieser die frohe Botschaft zu bringen, Jesus ist auferstanden. Die besuchte Gemeinde stattet einen Gegenbesuch ab. Dabei kreuzen sich die beiden Züge nicht. Auf dem Weg werden möglichst viele Orte durchritten, um die Botschaft zu verkünden.
Vor Beginn der Prozession wird von den Reitern ein gemeinsamer Ostergottesdienst gefeiert, danach sitzen die Reiter auf und umreiten die heimatliche Kirche. Sie werden gesegnet und starten Ihren Osterritt. Die frohe Botschaft wird in Form von traditionellen Kirchenliedern ins Land getragen.
Neben dem Prozessionspaar Wittichenau - Ralbitz gibt es noch fünf weitere. Das Osterreiten Wittichenau - Ralbitz wurde erstmalig 1541 erwähnt.
Der Prozession vorneweg reiten der Fahnenträger, die Träger der Christusstatue und des Kreuzes.




Reiter mit Fahnen und Kreuz

Es ist schon eine große Ehre bei dieser Prozession mitzureiten. Nimmt ein junger Mann das erste Mal am Osterreiten teil, trägt er einen kleinen grünen Kranz an der Brust.



rechter Reiter mit grünem Kranz auf einem Haflinger

Da ich schon einige Male beim Osterreiten Zuschauer war, sind mir in diesem Jahr relativ viele grüne Kränze aufgefallen. Dafür habe ich keinen goldenen Kranz ( 50 Jahre Teilnahme am Osterreiten) gesehen. In der Vergangenheit waren mir einige goldene aufgefallen.
Es ist schon eine bewundernswerte Leistung der Organisatoren. Es müssen die Pferde besorgt werden, den Reiter ist nicht gleich Besitzer des Pferdes. In diesem Jahr habe ich sogar ein Pferdetransporter mit Hamburger Kennzeichen gesehen. Dann müssen im Zielort ausreichend Gastfamilien gefunden werden. Denn ist die Prozession am Zielort angekommen, werden Ross und Reiter beköstigt. Beim Reiter ist es einfach. Er sitzt in der Stube oder Wohnküche. Bei den Pferden ist es etwas komplizierter. Wer hat schon einen Pferdestall? So wird das "geliebte Auto" ausquartiert und die Garage wird zum Pferdestall.
Es ist schon erstaunlich, was so mancher auf sich nimmt, um dabei zu sein - fremdes unbekanntes Pferd, nur ein mal im Jahr aufs Pferd zum Osterreiten. besonders sieht man es bei den kirchlichen Würdenträgern.








Da kommt es schon mal vor, dass das Pferd vom Eigentümer geführt wird.
Vor dem Heimritt wird gemeinsam in der Kirche gebetet, die Reiter werden gesegnet und es geht wieder nach Hause, wo sie von den vielen Besuchern empfangen wurden.
Die Teilnehmerzahl schwankt jährlich. Es kommt wie schon beschrieben auf die Anzahl der zur Verfügung gestellten Pferde und Gastgebern an. In diesem Jahr waren es auf jeder Seite weit über dreihundert Reiter. Die genaue Zahl kann man nur mit Zähler und konzentriertem beobachten erlangen. Aber es ist so viel schönes zu sehen, das man doch hin und wieder vergisst ein Pferd zu zählen.
Man kann den Organisatoren nur wünschen, das sie immer genügend Pferde zur Verfügung haben. Denn die Zeit als es ausreichend Pferde gab - z.B. Kavallerie - ist vorbei und man kann sich nur wünschen, das immer mehr ihre Liebe zum Pferd entdecken, um diese schöne Tradition weiter am Leben zu erhalten.


Kommentare

Es gibt noch keinen Kommentar zu diesem Text

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu schreiben.