Schulhaus Galaktik
von Isis2Hearts aus der Kategorie Texte zum Nachdenken
und wurde am 25.06.2011 um 12:40:00 eingetragen.
Als die Glocke über den Pausenplatz schrillte, rennen die Schüler ins Gebäude.
Im Klassenzimmer der 8p steht die Lehrerin vor der Wandtafel und wartet auf ihre Schüler.
Merkur ist der Erste. Wie ein Wirbelwind stürmt er hinein und umwirbelt die Lehrerin.
„Guten Morgen, Sonne! Guten Morgen, Sonne!“ singt er dabei.
Sonne lacht. Merkur ist zwar der Kleinste aber auch der Aufgedrehteste.
Während Merkur auf seinen Platz (direkt beim Lehrerpult) zustürmt, betritt Venus das Zimmer. Im Gegensatz zu ihren Banknachbar kommt sie gesetzt herein, gibt der Lehrerin die Hand und schüttelt ihren hübschen Kopf. Ihre roten Haaren glänzten dabei wie ein Lavastrom.
„Na Venus, wie lange bis du heute vor dem Spiegel gestanden?“, begrüsst sie Merkur. Venus quittiert diese Frage mit einem bitterbösen Blick. Merkur hat nämlich wieder mal den Nagel auf den Kopf getroffen.
Die Nächsten sind Jupiter und Mars. Der Unterschied der beiden Freunden kann nicht grösser sein.
Mars hat offensichtlich Indianer als Vorfahren. Seine Haut sieht aus wie Bronze. Da er ebenfalls recht klein ist, fällt er neben den blassen Jupiter, der der grösste der Klasse ist, noch mehr auf. Doch die beiden stecken immer zusammen. Die Lehrerin lächelt, sie hat wirklich Glück mit ihrer Klasse. Alle halten zusammen wie Pech und Schwefel auch wenn es manchmal Reiberein gibt.
Nach ihnen hopst Saturn vergnügt herein. Wie immer hat sie ihr blondes Haar mit einem dicken Haarband zusammengebunden. Schwungvoll setzt sie sich neben Jupiter.
„Hey Jupi“, begrüsst sie ihn „Wie geht es deinen Geschwistern?“
„Denen geht es gut, Europa und Callisto kommen nächstes Jahr in die Schule“.
„Und Io?“, fragt Saturn, sie hat eine Schwäche für Jupiters kleineren Bruder.
„Io, dem geht es super. Übrigens ist meine Mutter schon wieder schwanger“.
„Schon wieder“, mischt sich Mars ins Gespräch ein „deine Eltern produzieren Babys wie ein Laufband“.
„Wem sagst du das“, stöhnt Jupiter.
„Apropos“, grinst Saturn „Ich habe unsere Turteltauben noch nicht gesehen. Wo bleiben die nur?“.
Als hätten sie die Frage gehört, kommen Uranus und Neptun eng umschlummert herein.
„Neptun, Uranus!“, ermahnt Sonne, als sie sie begrüssen „Ihr wisst genau, keine intime Berührung innerhalb des Schulgelände“.
Die beiden trennen sich aber erst, als sie sich setzen.
„Ihr seid spät dran“, bemerkt Saturn und ihre Augen blitzen vergnügt.
Die Beiden grinsen verlegen und Uranus ordnet ihre verstrubelten Haaren, während Neptun den Resten Lippenstift wegwischt.
„So sind wir endlich alle versammelt?“. Die Lehrerin sieht fragend in die Runde.
„Nein“, beantwortet sie ihre Frage selbst „Wo ist Erde?“
Die Schüler sehen sich ratlos an, niemand hat sie gesehen.
In diesen Augenblick öffnet sich die Türe. Lustlos schlurft Erde herein. Unter ihre Augen sind dicke Ränder und sie husten leise. Sonne betratet sie besorgt. Erde war früher ein aufgewecktes, gesundes und lustiges Mädchen. Früher war sie ihre beste Schülerin und jetzt.
„So, heute lesen wir ein Buch von Orion“, beginnt Sonne nun mit dem Unterricht.
„Ich warte aber noch auf die Bücher, sie müssten jeden Moment da sein“.
Da klopft es an die Tür.
„Merkur würdest du bitte nachsehen wer draussen ist“.
Merkur stürmt zur Tür.
„Es ist Pluto!“, verkündet er laut.
„Pluto komm doch rein“, fordert Sonne ihn auf. Kritisch mustert sie den kleinen Junge. Pluto ist vor kurzem noch ihn ihre Klasse gegangen, aber seine Noten waren leider nicht ausreichend und deshalb wurde er abgestuft.
Pluto ist die Situation offensichtlich ziemlich peinlich.
„Ich bringe ihnen die Bücher“, murmelt er, legt sie auf den Lehrerpult und verschwindet durch die Tür.
Die Anderen sehen ihn verblüfft nach.
„Venus würdest du die Bücher verteilen“, fordert Sonne Venus auf.
Venus verteilt die Bücher sichtlich gelangweilt.
Als jeder „Der grosse Wagen der Jungfrau“ bekommen hat, wurde es ruhig. Eifrig beugten sich die Köpfe über die Seiten und lesen bis die Glocke erneut schrillt.